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Demographie
Mit 1,112 Milliarden Einwohnern ist Indien nach der Volksrepublik China und vor den USA der zweitbevölkerungsreichste Staat der Erde. Die Bevölkerungsdichte beträgt 329 Einwohner je km² (Deutschland: 231 je km²). Gleichwohl sind nicht alle Landesteile derart dicht besiedelt, vielmehr ist die Bevölkerung höchst ungleichmäßig verteilt. Sie ballt sich vor allem in fruchtbaren Landstrichen wie der Stromebene des Ganges, Westbengalen und Kerala, während der Himalaya, die Berggegenden des Nordostens sowie trockenere Regionen in Rajasthan und auf dem Dekkan nur eine geringe Besiedlungsdichte aufweisen.
Am 12. Mai 2000 überschritt Indiens Bevölkerungszahl offiziell die Milliardengrenze. Während es von 1920 – damals hatte Indien 250 Millionen Einwohner – 47 Jahre bis zu einer Verdoppelung der Bevölkerung dauerte, waren es von 1967 bis 2000 nur noch 33 Jahre. Das Wachstum der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten nur wenig abgeschwächt und liegt im Moment bei 1,4 Prozent pro Jahr, was einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von 15 Millionen Menschen entspricht. Damit verzeichnet Indien im Moment den größten absoluten Zuwachs aller Staaten der Erde. Der relative Zuwachs liegt jedoch nur wenig über dem Weltdurchschnitt. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge wird Indien in den nächsten Jahrzehnten sein Bevölkerungswachstum kaum abschwächen und die VR China bis zum Jahre 2045 als bevölkerungsreichstes Land der Erde abgelöst haben. Das Bevölkerungswachstum erklärt sich nicht aus einer gestiegenen Geburtenrate, sondern aus der in den letzten Jahrzehnten gestiegenen Lebensdauer, das heißt der Reduktion der Sterberate. Dies ist unter anderem auf eine Verbesserung der Gesundheitsfürsorge zurückzuführen. In der Sterberate hatte Indien bereits 1991 mit Deutschland gleichgezogen (10 pro 1.000), für 2006 wird sie auf 8,18 pro 1000 geschätzt. Die Geburtenrate blieb allerdings hoch (1991: 30 pro 1000) und sinkt nur allmählich (2006: 22,01 pro 1000). Die Fruchtbarkeitsrate ging von 5,2 Kindern je Frau (1971) auf 3,6 (1991) zurück, für 2006 wird sie auf 2,73 geschätzt.
Das durchschnittliche Alter der indischen Bevölkerung lag 2006 bei 24,9 Jahren, während die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer 63,9 Jahre (1971 waren es nur 44 Jahre) und für Frauen 65,6 Jahre (1971 waren es nur 46 Jahre) betrug. In Deutschland sind es zum Vergleich bei Männern 75 Jahre und bei Frauen 81 Jahre. Indien ist somit eines der wenigen Länder der Erde, in denen die Lebenserwartung bei Männern und Frauen fast identisch ist. Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. Indien gehört auch zu den Ländern, in denen es deutlich mehr Männer gibt: auf 1000 Männer kommen 933 Frauen.
Als Folge der zunehmenden Verstädterung Indiens, bedingt durch Landflucht und Naturkatastrophen, hat Indien heute 34 Städte mit mehr als 1 Million Einwohner. Allein der Ballungsraum Mumbai hat mittlerweile über 20 Millionen Einwohner und damit eine größere Bevölkerung als ganz Australien. Dennoch stellt die städtische Bevölkerung mit einem Anteil an der Gesamteinwohnerzahl von lediglich 27,6 Prozent eine Minderheit dar.
Schätzungsweise 25 Millionen indische Staatsbürger und Personen indischer Herkunft (Non-resident Indians und Persons of Indian Origin) leben im Ausland. Während englischsprachige westliche Staaten wie die USA, Großbritannien und Kanada vor allem gut ausgebildete Fachkräfte anziehen, sind in den Golfstaaten (besonders Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait und Saudi-Arabien) viele Inder als „Billigarbeitskräfte“ angestellt, seltener auch in höheren Positionen. Während der britischen Kolonialzeit wurden Inder als Arbeiter in anderen Kolonien angeworben, daher leben viele Personen indischer Abstammung in Malaysia, Südafrika, Mauritius, Trinidad und Tobago, Fidschi, Guyana und Singapur. Sie besitzen in der Regel die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Landes. Überweisungen von Auslandsindern an ihre Angehörigen in Indien stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. (Quelle Wikipedia)
Sprachen
Etwa 72 % der Bevölkerung sprechen indo-arische Sprachen, vor allem Hindi (38 %), Bengali, Bihari, Marathi, Oriya, Punjabi, Gujarati, Assami, Kaschmiri, Nepali und Urdu, siehe dazu die Karte 'Hauptsprachgebiete'. Im Süden werden Drawida-Sprachen gesprochen, besonders Tamil, Telugu, Malajalam, Kannada, zusammen 25 %. 3 % sind mongolischer Herkunft, wie z.B. die Sprache der etwa 350.000 Einwohner Nagalands im Nordosten. Staatssprache ist Hindi, doch gibt es daneben 14 verfassungsmäßig garantierte regionale Hauptsprachen. Alle obengenannten außer Nepali gehören dazu, außerdem: Sanskrit. Ohne die Dialekte gibt es zudem noch etwa 220 Sprachen, die jedoch meist nur von kleinen Gruppen und abgelegenen Stämmen gesprochen werden. Etwa 5 Mio Inder leben im Ausland, hauptsächlich in Süd- und Ostafrika, Südost-Asien und in Nordamerika sowie am Persischen Golf. In Indien leben etwa 20 000 Tibeter und 12 000 Chinesen, Perser, Afghanen sowie verschiedene kleinere europäische Gruppen. Insgesamt 65.000 Ausländer. Wer sich für 'niedrige Kasten' und Stammeskulturen interessiert, wende sich an die 'Tribal Research Institutes', z.B. in Ahmedabad, Udaipur oder Calcutta (siehe jeweils dort). 7 % der Bevölkerung sind solchen Stämmen zugeordnet, wovon der Großteil im Nordosten, in Orissa und Rajasthan/Gujarat lebt.
Soziales
Nach Angaben der Weltbank haben heute 44 Prozent der Einwohner Indiens weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Auch wenn die Ernährungssituation seit den 1970er Jahren entscheidend verbessert werden konnte, ist noch immer mehr als ein Viertel der Bevölkerung zu arm, um sich eine ausreichende Ernährung leisten zu können. Unter- und Fehlernährung (z. B. Vitaminmangel) ist vornehmlich in ländlichen Gebieten ein weit verbreitetes Problem, wo der Anteil der Armen besonders hoch ist. So wird etwa Kinderarbeit hauptsächlich auf dem Land geleistet, da das Einkommen vieler Bauernfamilien nicht zum Überleben ausreicht. Hoch verschuldete Bauern müssen oft nicht nur ihr Ackerland verkaufen, sondern auch ihre Dienstleistungen an die Grundherren verpfänden. Dieses als Schuldknechtschaft bezeichnete Phänomen stellt bis heute eines der größten Hindernisse in der Armutsbekämpfung dar. Die schlechten Lebensbedingungen im ländlichen Raum veranlassen viele Menschen zur Abwanderung in die Städte (Landflucht). Dabei sind die wuchernden Metropolen des Landes kaum in der Lage, ausreichend Arbeitsplätze für die Zuwanderer zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis sind hohe Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung. Fast ein Drittel der Einwohner der Millionenstädte lebt in Elendsvierteln. Dharavi in Mumbai ist mit mehr als einer Million Menschen der größte Slum Asiens.
Ungefähr 16,2 Prozent der indischen Bevölkerung werden zu den so genannten Unberührbaren (scheduled castes) gerechnet, 8,2 Prozent zählen zur indischen Stammesbevölkerung (Adivasi, offiziell scheduled tribes). Da beide Gruppen starker sozialer Benachteiligung ausgesetzt sind, sieht die indische Verfassung ihre Förderung in Form von Quoten vor. Über diese „positive Diskriminierung“ werden in Universitäten, berufsbildenden Institutionen und Parlamenten bis zu 50 Prozent der Plätze für die scheduled castes (Angehörige der unteren Kasten) reserviert. Die Kastenfrage nimmt in der indischen Innenpolitik eine höchst brisante Stellung ein. Eine Ausweitung der Quoten auf niedere Kasten auf Vorschlag der umstrittenen Mandal-Kommission rief 1990 heftige Proteste von Angehörigen höherer Kasten hervor und führte zum Sturz von Premierminister Vishwanath Pratap Singh.
Frauen sind in der patriarchalisch geprägten indischen Gesellschaft trotz der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau nach wie vor benachteiligt. Traditionell wurde Frauen zur Hochzeit eine Mitgift zum Aufbau eines eigenen Haushalts mitgegeben. Heute werden Brautgelder, obwohl sie seit Jahrzehnten gesetzlich untersagt sind, aus rein wirtschaftlichen Erwägungen von den Eltern des Bräutigams verlangt. In manchen Fällen übersteigen sie das Jahreseinkommen der Familie der Braut. Gelegentlich kommt es zu so genannten „Mitgiftmorden“, da die Angehörigen der Braut nicht in der Lage sind, die hohen Forderungen zu erfüllen. Die Mitgiftproblematik trägt in nicht unerheblichem Maße dazu bei, dass Mädchen meist geringer angesehen sind als Jungen oder gar als unerwünscht gelten. Tatsächlich werden weit mehr weibliche Föten abgetrieben als männliche.
Unzureichende Beratung in Fragen der reproduktiven Gesundheit hat zur Folge, dass die Zahl der HIV-Infizierten rapide steigt (derzeit 3,73 Fälle pro 1.000 Einwohner). Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten bis 2010 allein in Indien über zehn Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit leiden. Mit mittlerweile 5,7 Mio. Infizierten ist Indien der Staat mit den, absolut gesehen, meisten HIV-Infektionen. In Teilen der Bundesstaaten Uttar Pradesh und Bihar sind mehr als 1 % der Schwangeren mit HIV infiziert.
(Quelle Wikipedia)
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