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Lage der japanischen Wirtschaft
Auch wenn die Aufmerksamkeit sich in den vergangenen Jahren auf China und Indien konzentriert hat, bleibt Japan dennoch die führende Innovations- und Wirtschaftsmacht in Asien. Weltweit rangiert es damit direkt nach den USA. Japan erwirtschaftet knapp Hälfte der Wirtschaftsleistung Ost-Asiens. Sein Bruttoinlandsprodukt war 2006 annähernd so hoch wie das Chinas, Koreas und Indiens zusammen. (2006: Japan 4,34 Bio. USD, China 2,67 Bio. USD, Süd-Korea 0,89 Bio. USD, Indien 0,91 Bio. USD, Quelle: Weltbank).Nach der Stagnation in den 90er Jahren nach dem Zerplatzen der „Bubble“ befindet sich die japanische Wirtschaft seit 2002 in einem robusten Aufschwung.
Japans Unternehmen sind in vielen Branchen Weltmarktführer (PKW, IT-Industrie, neue Werkstoffe, Kameras usw.). Seit den 90er Jahren - der sog. „lost decade“ – investieren Unternehmen und Staat kontinuierlich mehr als alle anderen Industrienationen in Forschung und Entwicklung. Um seine Probleme zu bewältigen, setzt Japan voller Vertrauen in seine Zukunft auf technologische Lösungen.
Für das Jahr 2007 wird mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von ca. 2% gerechnet. Starke Exporte, vor allem in die USA und nach China, und hohe Kapitalinvestitionen japanischer Unternehmen tragen diesen Aufschwung. Die Subprime-Krise in den USA hat zwar auch einige japanische Finanzinstitute getroffen; Sorgen, dass eine starke Abschwächung der Exporte in die USA die japanische Konjunktur stark beeinträchtigen könne, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Diese positive konjunkturelle Lage wirkt sich auch auf den japanischen Arbeitsmarkt aus. Die offizielle Quote beträgt nunmehr nur noch 3,4%.
Eine große Hypothek für die Zukunft des Landes und direkte Folge der staatlichen Konjunkturprogramme der 90er Jahre ist die außergewöhnlich hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Ende Juni 2007 betrug die Staatsverschuldung 836,52 Mrd. JPY, mehr als Anderthalbfache des japanischen Bruttoinlandproduktes.
Nachdem in Japan lange Deflation, günstigstenfalls Preisstabilität herrschte, steht die Preisentwicklung voraussichtlich vor einer Wende. In den letzten Monaten haben spürbare Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und Benzin stattgefunden. Diese Entwicklung sollte sich zunehmend in moderaten Preissteigerungsraten widerspiegeln. Dabei spielt auch der relativ schwache Yen eine Rolle. Auch wenn er im Vergleich zum USD leicht aufwertet (Ende November 2007 1 USD = 108 JPY), bleibt er im Vergleich zu anderen Währungen schwach (Ende November 2007 1 EUR = 161 JPY).
Die Geldpolitik ist nach wie vor von einem außergewöhnlich niedrigen Zinsniveau gekennzeichnet. Seit einer Anhebung auf 0,5 % am 21.02.2007 verharrt der Leitzins auf diesem Niveau. Zwar spricht sich die Bank von Japan für eine geldpolitische Normalisierung aus. Aufgrund von Unsicherheiten über die US-Konjunktur sowie Sorgen, die binnenwirtschaftliche Dynamik könne nachlassen, sieht die Zentralbank im Moment jedoch von einer Erhöhung der Leitzinsen ab.
Der rasante Aufstieg Chinas, aber auch anderer Schwellenländer in der Region, wird in Japan aufgrund der geographischen Nähe noch deutlicher empfunden als anderswo. Insbesondere als Produktionsplattform spielt China für japanische Unternehmen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig haben der unzureichende Schutz geistigen Eigentums und eine Verschlechterung der Kostenstruktur dazu beigetragen haben, dass aus japanischer Sicht der erste große China-Boom bereits vorbei ist. Auch der japanische Außenhandel verlagert seinen Schwerpunkt: Die Rolle der USA nimmt ab, die der asiatischen Partner zu.
Besonderes Kopfzerbrechen bereitet der japanischen Regierung die demographische Entwicklung. Seit 2005/6 schrumpft die Bevölkerung Japans, und zwar schneller als in anderen Industriestaaten. Gleichzeitig nimmt der Anteil von Rentnern an der Gesamtbevölkerung rasant zu. Bereits 21,4 % der Bevölkerung sind älter als 65 Jahre. Dies hat erhebliche Belastungen für die sozialen Sicherungssysteme zur Folge, die in ihrer jetzigen Form den Herausforderungen nicht gewachsen sein werden. Da Zuwanderung nicht als Option angesehen wird und der Wandel des Frauen- und Familienbildes nicht im notwendigen Maße stattfindet, wird der demographische Trend kaum umzukehren sein. Einschneidende Reformen der sozialen Sicherungssysteme werden zunehmend unaufschiebbar.
Dennoch wird die japanische Wirtschaft ihren moderaten Wachstumskurs fortsetzen. Auch wenn das Wirtschaftswachstum im wesentlichen aus dem Export gespeist wird, dürfte private Nachfrage vor dem Hintergrund hoher Unternehmensgewinne und leicht steigender Einkommen eine stärkere Bedeutung als Wachstumsfaktor als bisher erlangen. Japan bleibt damit auf absehbare Zeit die bedeutendste Volkswirtschaft in Asien.
Außenhandel
Japans wirtschaftliche Erholung wurde auch 2006 von einem starken Außenbeitrag mitgetragen. Japanische Exporte in die USA stiegen auf knapp 110 Milliarden Euro, japanische Importe aus den USA lagen bei 51,1 Milliarden Euro (Handelsvolumen gesamt: 160,5 Milliarden Euro).
2006 erreichte der Handel mit China zum achten Mal in Folge ein neues Rekordhoch (+18,0 % gegenüber 2005) und liegt mit insgesamt 158,7 Milliarden Euro nur noch knapp hinter dem Außenhandel mit den USA. Dabei übertrafen die Importe die Exporte um ca. 20 Milliarden Euro (Jap. Exporte nach China: 69,7 Milliarden Euro; Jap. Importe aus China: 89,1 Milliarden Euro).
Schließt man in die Handelszahlen Chinas den bilateralen Handelsaustausch mit Hongkong ein, so übersteigt das Handelsvolumen mit 187,6 Milliarden Euro das mit den USA um mehr als 27 Milliarden Euro. Der japanisch-chinesische Handel ist damit für Japan die bedeutendste bilaterale Handelsbeziehung.
Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Japan ist 2006 mit insgesamt knapp 30 Milliarden Euro ebenfalls gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Importe aus Japan um 15,4% auf 15,6 Milliarden Euro. Die deutschen Exporte nach Japan stiegen um 9% auf 14,2 Milliarden Euro. Nach China bleibt Japan auch 2006 der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Asien (Exporte 18. Stelle, Importe 11. Stelle).
Auslandsinvestitionen
Insgesamt stiegen die ausländischen Direktinvestitionen in Japan beträchtlich und verdoppelten sich seit dem Jahr 2000. Hintergrund ist u.a. die 2001 von der Regierung Koizumi gestartete Kampagne "Invest in Japan", die zum Ziel hat, die ausländischen Direktinvestitionen innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln. Dieses Ziel wurde auch erreicht.
Interessant ist ebenfalls der rasante Anstieg japanischer Direktinvestitionen in China. Lagen sie im Jahr 2000 noch bei 8,7 Milliarden US-Dollar, stiegen sie bis Ende 2006 auf 30,3 Milliarden US-Dollar oder knapp 28,14% aller japanischen Investitionen in Asien. Hauptbranchenschwerpunkt japanischer Investitionen in China war die maschinenerzeugende Industrie, die fast 50% aller japanischen Investitionen in China tätigte.
Im Vergleich betrachtet liegt der Bestand japanischer Direktinvestitionen Ende 2006 bei 156,4 Milliarden US-Dollar in den USA (34,8%), gefolgt von 118,6 Milliarden US-Dollar in Europa (26,4%) noch vor 107,7 Milliarden US-Dollar in Asien (24,0%). Allerdings sind die Wachstumsraten der Investitionen japanischer Unternehmen wegen China in Asien am größten.
Entwicklungszusammenarbeit
Am 6. Oktober 2004 feierte Japan den 50. Jahrestag des offiziellen Beginns seiner Entwicklungshilfe (1954 wurde Japan Mitglied im Colombo-Plan). Nachdem Japan seit Beginn der 90er Jahre summenmäßig zehn Jahre lang größtes Geberland war, wurde dieser Platz im Jahr 2000 an die USA abgegeben. Seit dem Haushaltsjahr 2000 wurden die ODA-Ausgaben (ODA = Official Development Assistance / öffentliche Entwicklungshilfe) jährlich weiter zurückgefahren.
Trotz knapper Haushaltsmittel versucht sich Japan aber in den letzten Jahren gerade im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit verstärkt als engagierter und internationale Verantwortung übernehmender Akteur zu präsentieren. Dies zeigt die "New Development Initiative for Trade", die im Dezember 2005 von Premierminister Koizumi anlässlich der WTO-Verhandlungen verkündet wurde.
Japan besitzt kein Gesetz zur Regelung der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Den rechtlichen Rahmen hierfür bildet die so genannte ODA-Charta. Mit einer Überarbeitung im August 2003 sollte eine strategische Neuausrichtung der ODA auf Ziele erreicht werden, die im "nationalen Interesse" (d.h. insbesondere wirtschaftliches Wachstum und Sicherheit) liegen. Priorität wird dabei den Bereichen Menschliche Sicherheit, Armutsreduzierung, nachhaltiges Wachstum und friedenserhaltende Maßnahmen eingeräumt (Japan hat u.a. zugesagt, für den Wiederaufbau des Irak zwischen 2004 bis 2007 insgesamt 5 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen.).
Die japanischen Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit sind nach Angaben der OECD 2006 real um 9,6% auf 11,6 Milliarden US-Dollar gesunken und bestätigen den langjährig rückläufigen Trend (zum Vergleich: USA 22,7 Milliarden US-Dollar, Frankreich 10,4 Milliarden US-Dollar, Deutschland 10,4 Milliarden US-Dollar). Hauptempfänger japanischer ODA im Jahr 2005 waren der Irak (US-Dollar 2,1 Milliarden) China (US-Dollar 1,7 Milliarden) vor den von dem Tsunami Ende 2004 betroffenen Gebieten Indonesien (US-Dollar 963 Millionen), Thailand (US-Dollar 765 Millionen) und den Philippinen (US-Dollar 706 Millionen).
Innenpolitisch besonders umstritten ist die ODA an China. Im März 2005 einigten sich beide Länder grundsätzlich darauf, dass zinsgünstige Kredite, die den Hauptanteil der ODA an China bilden, in Anbetracht der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas nur noch bis 2008 gewährt werden sollen.
Im Finanzjahr 2006 wurden 759,7 Milliarden Yen bereitgestellt, rund ein Drittel weniger als im Finanzjahr 1997. Das Budget für das Haushaltsjahr 2007 sieht mit 729,3 Milliarden Yen erneut eine Kürzung der ODA-Mittel vor. Für das Jahr 2008 wird für die Entwicklungszusammenarbeit ein Budget von 815,3 Milliarden Yen vorgeschlagen. Sollte diesem Vorschlag gefolgt werden, wäre mit einem Zuwachs von 11% seit Jahren erstmals wieder ein klarer Aufwärtstrend bei den Finanzmitteln gegeben.
(Quelle: Auswärtiges Amt Deutschland)
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