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Der Handel mit Thailand

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Thailands Wirtschaftspolitik ist marktwirtschaftlich ausgerichtet. Daran hält die nach dem Militärputsch vom 26.09.2006 eingesetzte Zivilregierung unter Premierminister Surayud fest. Im Vordergrund der thailändischen Wirtschaftspolitik stehen derzeit kontrolliertes Wachstum und die Wahrung thailändischer Interessen. Damit versucht die Regierung ein Zeichen gegen die Politik des ehemaligen Premierminister Thaksin setzen, dem man fehlendes Augenmaß bei der Planung von Großprojekten und die Bedienung ausländischer Interessen zum Schaden Thailands anlastet. Die Wirtschaftspolitik sucht moralische Rechtfertigung in der vom König propagierten "sufficiency economy", die Maßhalten im ökonomischen Leben wie in allen anderen Lebensbereichen fordert.

Um der Konjunktur Impulse zu verleihen, setzt die Regierung die von der Regierung Thaksin gebilligten Verkehrsinfrastrukturprojekte fort, im Sinne der "sufficiency economy" allerdings in bescheidenerem Umfang (Kürzung des Investitionsvolumens von 8,3 Milliarden Dollar/300 Mrd. Baht auf 4,5 Milliarden Dollar/165 Mrd. Baht). Die wirtschaftlichen Rahmen-bedingungen haben sich für ausländische Unternehmen verschlechtert Im Dezember 2006 hat die BOT Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, um eine massive, thailändische Exportinteressen bedrohende Aufwertung des Bath zu bekämpfen. Die Bangkoker Börse reagierte darauf mit einem drastischen Kurssturz, dem die BOT mit einer teilweisen Aufhebung der Restriktionen entgegensteuern musste. Die von der Regierung geplante Verschärfung des "Foreign Business Act" (FBA) beunruhigt ausländische Investoren , ebenso die vorgesehene Änderung des Einzelhandelsgesetzes (Retail Act) und der Bruch des Patentschutzes für Medikamente ausländischer Hersteller durch die Einführung von Zwangslizenzen.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Sozialprodukt (BIP) entsteht in Thailand zu 53% im Dienstleistungsbereich, zu 37% in der Industrie und zu 10% in der Landwirtschaft. Der Tourismus mit 6% Anteil am BIP ist die wichtigste Devisenquelle. Der Agrarsektor ist dabei unter arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Gesichtspunkten bedeutender, als es der BIP-Anteil vermuten lässt.

Obwohl die Asienkrise von 1997 die Wirtschaft Thailands zeitweise schrumpfen ließ, gelang dem Land schnell der Umschwung hin zu neuem Wachstum. Auch 2006 lag das Wirtschaftswachstum bei robusten 5,1%, obwohl sich die Rahmenbedingungen durch die innenpolitische Krise verschlechtert hatten und die Binnennachfrage zurückging. Für 2007 erwartet Thailand ein geringeres Wachstum im Vergleich zum Vorjahr. Die Schätzungen liegen zwischen 4% und 5%. Ob diese Steigerungsraten erzielt werden können, wird insbesondere von einer positiven Entwicklung der Binnennachfrage und des Exports abhängen. Von den Investitionen dürften nur geringe Wachstumsimpulse ausgehen. Das Board of Investment (BoI) rechnet für 2007 mit einem Null-Wachstum in diesem Bereich, etwas positiver sind einige Wirtschaftsforschungsinstitute, die mit einem Wachstum von 1,1% rechnen

Hauptträger des Wachstums bleibt 2007 die Exportwirtschaft. Im zweiten Quartal 2007 wurde der Exportwert mit 144,9 US Dollar beziffert- eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 13 %. Der private Konsum sank von Januar bis Juli 2007 gegenüber dem Vergleichszeitraum um -0,2%.Es bleibt abzuwarten, ob sich der für 2007 offiziell erwartete Anstieg des privaten Konsums um 1,8 % realisieren wird. Die privaten Investitionen fielen im 1. Quartal von 1,3 auf -2,3% gegenüber 2006, im 2.Quartal fiel der Rückgang mit -0,8 % weniger drastisch aus . Der staatliche Konsum hat im 1. Quartal mit einer Steigerung von 11,2% einen deutlichen Sprung gemacht. Die staatlichen Investitionen fielen im2. Quartal gegenüber 2006 von 3,8% auf 3%.

Das Finanzjahr 2007 soll bei einem Gesamtvolumen von 43,33 Mrd. US Dollar/1,56 Billionen Baht mit einem geringeren Defizit als vorgesehen abschließen. Das Haushaltsdefizit liegt bei 3,6 Mrd. US Dollar/125 Mrd. Baht (ursprünglich 4,3 Mrd. US Dollar/46,2 Mrd. Baht). Für das Finanzjahr 2008 hat die Regierung Surayud erneut einen defizitären Haushalt vorgelegt (Gesamtvolumen:48,5 Mrd. US Dollar/1,66 Billionen Baht; Defizit: 4,82 Mrd.US Dollar/165 Mrd. Baht), um u.a.die anstehenden Infrastrukturvorhaben finanzieren zu können.

Die Staatsverschuldung lag Januar-Juli 2007 mit 85,88 Milliarden US Dollar (2.920 Mrd. Baht) bei 34,96% des BIP. Die Regierung wird für die Finanzierung des Defizits auf die Währungsreserven zurückgreifen.

Die Auslandsverschuldung ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren worden. Unter anderem hat Thailand die Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF), die es zur finanziellen Sanierung nach der Asienkrise erhalten hatte, zwei Jahre vor Fälligkeit vollständig zurückgezahlt. Die Währungsreserven lagen im August 2007 bei 74,4 Milliarden US-Dollar. 2007 ist die Auslandsverschuldung von 6,8% auf 5,6% des BIP gesunken.

Die Inflation hatte sich Anfang 2006 durch den Ölpreisschub auf 6% beschleunigt. Fallende Erdölpreise brachten im 2. Halbjahr Entlastung und ließen die Inflationsrate auf 4,7% zurückgehen. Nach Ansicht der Bank of Thailand (BOT) besteht 2007 keine größere Inflationsgefahr. Im August 2007 lag die Inflation bei 1,1%. Die Schätzung für das gesamte Jahr liegt zwischen 2,0%-2,5%. Die BOT hat seit Januar 2007 angesichts der sinkenden Inflationsrate den Leitzins von 5% auf 3,25%gesenkt..

Die Währung Thailands, der Baht, steht zusammen mit anderen Währungen Asiens unter Aufwertungsdruck. Seit Jahresbeginn 2007 stieg der Wert des Bath um 6,5%, gegenüber Januar des Vorjahres um 18 %. Der Wert der Währungen von Thailands Handelsrivalen (Singapur, Malaysia, China, Vietnam) stieg hingegen nur zwischen 8 % und 10 %. Ursache für den starken Baht sind der schwache Dollar, ein erheblicher Leistungsbilanzüberschuss von 6,6 Millarden US Dollar und die ausländischen Kapitalzuflüsse auf den Aktienmarkt (2,87 Millarden US Dollar). Der Regierung gelang es, durch Kapitalverkehrskontrollen den spekulativen Aufwertungsdruck auf den Baht zu mildern, allerdings bleibt der Bath weiterhin stark.

Aussenwirtschaft

Auslandsinvestitionen sind besonders in technologieorientierten Sektoren willkommen und werden vom BoI unter anderem durch Steuerermäßigungen und erleichterte Genehmigungsverfahren gefördert. Das BoI ist durch ein Büro in Frankfurt vertreten (Tel.: 069-9291230). In bestimmten Sektoren sind Auslandsinvestitionen nicht zulässig, in anderen darf die ausländische Beteiligung bis 49% nicht überschreiten. Grundlagen regelt der "Foreign Business Act", der zur Zeit einer Revision unterzogen wird. Umstritten sind weitere Zugangsbeschränkungen für ausländische Investoren zu geschützten Bereichen, insbesondere die Beschränkung der Stimmrechte des ausländischen Investors auf maximal 49% und die Managementkontrolle durch den thailändischen Partner.

 

Außenhandel

Thailand unterstützt im Grundsatz den Abschluss der Welthandelsrunde unter besonderer Berücksichtigung der Interessen von Schwellen- und Entwicklungsländern. Gleichzeitig verhandelt es mit Nachdruck eine Vielzahl von bilateralen Freihandelsabkommen mit wichtigen Handelspartnern. Thailand hat bereits mit China (2003), Indien (2004), Australien (Januar 2005) und Neuseeland (Juli 2005) Freihandelsabkommen abgeschlossen. Die Verhandlungen über ein Abkommen mit den USA sind derzeit ausgesetzt. Ein Freihandelsabkommen mit Japan wurde am 3. April 2007 unterzeichnet. Die EU steht in Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit ASEAN.ASEAN.

Der Außenhandel hat nach dem weltweiten Abschwung 2001/02 wieder an Fahrt gewonnen. Die Handelsbilanz ist traditionell positiv. 2006 lag der Handelsbilanzüberschuss bei 2,91 Mrd. US Dollar,. 2007 im 2. Quartal bei 1,48 Mrd. US Dollar.

Die thailändischen Exporte stiegen in den ersten sieben Monaten 2007 um 16,6% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Angesichts zurückhaltender Prognosen für die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wird für das gesamte Jahr eine Exportsteigerungsrate von 13 % erwartet. Hauptexportgüter sind elektrische und elektronische Geräte, Automobilien sowie landwirtschaftliche Produkte, u.a. Reis und Kautschuk. Hauptabnehmer thailändischer Produkte sind die USA, Japan, die EU, die südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN)ASEAN) und China.

Die thailändischen Importe nahmen in den ersten sieben Monaten 2007 aufgrund gesunkener Erdölpreise und starker Währung um 5,1% auf 77,69 Mrd. US Dollar ab. Thailand importiert rund 35% aller Waren aus Japan und ASEAN. 12% sind Rohöl- und Ölprodukte aus dem Nahen Osten. Gut 10% der Importe stammen aus China als die neue drittwichtigste Herkunftsnation. Danach folgen die EU mit 8% und die USA .

Mitgliedschaft in wirtschaftlichen Regionalorganisationen

Thailand ist aktives Mitglied des ASEMASEM (Europäisch-Asiatische Gipfeltreffen)-Prozesses sowie in einer Reihe regionaler Organisationen wie der ASEANASEAN, der AFTA (Asiatische Freihandelszone) und der APECAPEC (Asiatisch-Pazifische Wirtschaftskooperation). ‚Thailand unterstützt die Ausweitung der AFTA. Thailand hat weitere ökonomische Kooperationen abgeschlossen:

GMS (Wirtschaftliche Kooperation der Greater Mekong-Subregion)
ACMECS (Wirtschaftliche Kooperation der Länder im Einzugsgebiet der drei Flüsse Ayeyawady, Chao Phraya und Mekong: Thailand, Laos, Kambodscha, Myanmar und Vietnam)
Emerald Triangle (Smaragddreieck / Wirtschaftliche Kooperation mit Laos und Kambodscha)
IMT-GT (Indonesien-Malaysia-Thailand-Wachstumsdreieck)
 



    ausdrucken    per Email versenden    bearbeiten 13.04.2008
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