Zurück

Der Handel EU und der Türkei

EU-Türkei

Die Türkei ist ein wichtiger Exporteur von Agrarerzeugnissen. Agrarexporte aus der Türkei beliefen sich im Jahr 2000 auf insgesamt 4,24 Mrd. Euro (8 % der gesamten türkischen Exporte) und Agrarimporte auf 3,88 Mrd. Euro (5 % der gesamten Importe). Die Türkei exportiert hauptsächlich frisches Obst und Gemüse, die 2003 einen Anteil von 46,5 % an den gesamten Agrarexporten der Türkei hatten.

Der wichtigste Handelspartner der Türkei ist die EU, doch hat sie auch intensive Handelsbeziehungen (und einen Handelsüberschuss) mit anderen Ländern im Mittelmeerraum und in der Golfregion. Die Türkei weist gegenüber den Vereinigten Staaten ein erhebliches Agrarhandelsdefizit von knapp 600 Mio. Euro auf, das teilweise darauf zurückzuführen ist, dass die Vereinigten Staaten 400 Mio. Dollar für handelsverzerrende Ausfuhrkredite aufwenden. In die Vereinigten Staaten exportiert die Türkei hauptsächlich Baumwolle, Zigaretten und Tabak, Weizen, Gerste, Sojabohnen und Mais.

In der letzten Jahren wies der Türkei gegenüber den EU-15 (türkische Ausfuhren 2003: 2,036 Mio. Euro; Einfuhren: 1,027 Mio. Euro) und den zehn neuen Mitgliedstaaten als einer Gruppe (Ausfuhren: 126 Mio. Euro; Einfuhren: 29 Mio. Euro) einen erheblichen Handelsüberschuss bei Agrarerzeugnissen auf, der hauptsächlich auf die Ausfuhr von Obst, Nüssen und Obst- und Gemüsezubereitungen zurückzuführen ist, wenngleich Tabak und Tabakerzeugnisse auch eine wichtige Rolle spielen. Die Einfuhren der Türkei aus der EU verteilen sich traditionell über ein weitaus größeres Spektrum, an dem auf Felle und Häute, Ätherische Öle und Baumwolle (obwohl letztere auch im Inland produziert wird) der größte Einfuhrwert entfällt. Die Einfuhren aus den zehn neuen Mitgliedstaaten beschränken sich auf Getreide und einige Milchprodukte.

Die Landwirtschaft ist ausdrücklich von der Zollunion mit der EU ausgenommen. Die Handelsliberalisierung in der Landwirtschaft verläuft in hohem Maße asymmetrisch: Die EU hat der Türkei beim Marktzugang eine starke präferenzielle Behandlung gewährt, während die Türkei im Gegenzug relativ wenig gewährt hat. Darüber hinaus hält die Türkei ein Einfuhrverbot für die meisten lebenden Tiere und tierischen Erzeugnisse aufrecht. Das einzige wichtige Zugeständnis der Türkei an die EU (bei Fleisch und lebenden Tieren) konnte wegen des türkischen Einfuhrverbots niemals genutzt werden (die Türkei beruft sich zur Begründung des Verbots auf die öffentliche Gesundheit und die Tiergesundheit, liegt bei diesen Maßnahmen jedoch nicht in Einklang mit internationaler Normen, so dass das Verbot hauptsächlich dem Ziel des Marktschutzes dient). Was die türkischen Exporte in die EU betrifft, gestaltet sich die Lage ganz anders. Gut 70 % der türkischen Agrarerzeugnisse werden zollfrei in die EU eingeführt und Obst, Gemüse und Tabak werden praktisch abgabenfrei eingeführt.

Deutschland - Türkei
 
Wirtschaftliche Beziehungen
Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen haben seit der Zollunion EU - Türkei (in Kraft seit dem 01.01.1996) einen neuen institutionellen Rahmen. Deutschland ist seit langem wichtigster Handelspartner der Türkei. Im Jahr 2006 nahm der Handel in beide Richtungen gegenüber dem Vorjahr erneut kräftig zu. Das bilaterale Handelsvolumen überstieg in diesem Zeitraum mit über 23,5 Milliarden Euro den Rekordwert des Vorjahres. Die türkischen Exporte nach Deutschland erreichten im Jahr 2006 ein Volumen von über 9,1 Milliarden Euro (2005 über 8,3 Milliarden Euro) und die deutschen Exporte in die Türkei einen Wert von fast 14,4 Milliarden Euro (2005 über 12,8 Milliarden Euro). Der Anteil der türkischen Exporte an den Gesamtexporten nach Deutschland verringerte sich geringfügig auf 11,4 %, ebenso der Anteil der türk. Importe aus Deutschland mit rund 10,6%. Besonders starken Anteil an den deutschen Exporten in die Türkei haben Maschinen, Kraftfahrzeuge und Zulieferteile für die Automobilindustrie. Bei den deutschen Importgütern aus der Türkei bilden Textilien/Lederartikel (ca. 50%) und Nahrungsmittel sowie Industrieerzeugnisse den Schwerpunkt.

Die Türkei entwickelt sich für die internationale Geschäftswelt zunehmend zu einem attraktiven Absatz- und Investitionsstandort. Der türkische Markt mit rd. 73 Millionen potenziellen Konsumenten und einer jungen Bevölkerung bietet deutschen Firmen zahlreiche interessante Möglichkeiten des Engagements. Deutschland stellt die größte Zahl der ausländischen Firmen, die in der Türkei Direktinvestitionen getätigt haben. Die Zahl deutscher Unternehmen bzw. türkischer Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung ist in den vergangenen Jahren auf über 2.600 gestiegen. Seit 1980 wurden deutsche Investitionen in Höhe von über 5,2 Milliarden USD getätigt. Die Betätigungsfelder deutscher Unternehmen in der Türkei sind vielseitig: Sie reichen von der Industrieerzeugung und dem Vertrieb sämtlicher Produkte bis zu Dienstleistungsangeboten aller Art sowie der Führung von Einzel- und Großhandelsbetrieben.

Das Engagement vieler deutscher Firmen in der Türkei ist langfristig angelegt. Sie vertrauen auf die Standortvorteile der Türkei, zu denen qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte sowie die günstigen Verkehrswege zu den Absatzmärkten in Europa und Nahost gehören. Nicht zuletzt wirkte sich die Perspektive der EU-Mitgliedschaft günstig auf das Geschäfts- und Investitionsklima aus.

Deutschland steht beim Fremdenverkehr in die Türkei an erster Stelle. Im Jahr 2006 besuchten nahezu 3,8 Millionen deutschen Touristen die Türkei (rund 19% aller Touristen).

Hochrangiger Besucheraustausch gab den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen weitere Impulse: Ministerpräsident Erdogan eröffnete im April 2007 gemeinsam mit Bundeskanzlerin Merkel die weltweit größte Industriemesse Hannover, deren diesjähriges Partnerland die Türkei war, und nahm am Deutsch-Türkischen Business Summit in Hannover teil. Im Oktober 2006 besuchte Bundeskanzlerin Merkel in Begleitung einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation die Türkei (Bundeskanzler a.D. Schröder hatte die Türkei ebenfalls mehrfach besucht - Februar 2004, Mai 2005, Oktober 2005).

Seit 1985 ist die deutsche Wirtschaft in der Türkei durch ein Delegiertenbüro des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vertreten. 2004 feierte die Deutsch-Türkische Außenhandelskammer mit Sitz in Istanbul ihr 10-jähriges Bestehen. Im April 2004 öffnete eine Türkisch-Deutsche Handelskammer in Köln. Regelmäßige bilaterale Konsultationen erfolgen in den Bereichen wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie im Rahmen des 1994 wieder belebten bilateralen Deutsch-Türkischen Kooperationsrates (DTKR) mit den 4 Arbeitsgruppen Industrie und Investitionen, Handel, Tourismus und (seit 2005) auch Forschung und Wissenschaft. Die nächste Sitzung des Deutsch-Türkischen Kooperationsrates wird in 2008 in der Türkei stattfinden.

Deutschland und die Türkei haben ein Investitionsschutzabkommen (1962) und ein Doppelbesteuerungsabkommen (1985) abgeschlossen. Im Juli 2001 trat das türkische Gesetz zur internationalen Schiedsgerichtsbarkeit in Kraft.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit vereinbarte die Bundesregierung mit der türkischen Regierung den Ausbau des kommunalen Infrastrukturprogramms sowie die Einrichtung einer Kreditlinie für kleine und mittlere Unternehmen. Der Türkei wurden seit 1960 über 4,3 Milliarden Euro im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit als Darlehen und zum Teil auch als Zuschuss zur Verfügung gestellt. Durch eine Mischung mit Krediten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu kommerziellen Bedingungen bei größeren Vorhaben wurde das bereitgestellte Finanzvolumen um insgesamt mehr als 500 Millionen Euro erhöht. Im Bereich der technischen Zusammenarbeit belaufen sich die akkumulierten Zusagen auf über 285,2 Millionen Euro. Aufgrund des türkischen Status als EU-Beitrittskandidat und damit verbundener erheblicher multilateraler Mitteltransfers wurden seit 2001 die bilateralen Zusagen für die wirtschaftliche Zusammenarbeit kontinuierlich auf nunmehr 6 Millionen Euro (Neuzusagen 2006) zurückgeführt.

Das bilaterale Kooperationsprogramm konzentriert sich auf den Schwerpunktsektor Umwelt (Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft) mit einem regionalen Fokus auf die weniger entwickelten Gebiete der Türkei. Die Vorhaben zum Infrastrukturausbau werden durch Beratungsmaßnahmen ergänzt. Deutschland ist der einzige Geberstaat, der in wirtschaftlich weniger entwickelten Regionen der Türkei Vorhaben dieser Art im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit durchführt.

Einen weiteren Schwerpunkt der Zusammenarbeit bildet die Wirtschaftsförderung. Mit Kreditlinien für den industriellen Umweltschutz sowie für kleine und mittelständische Unternehmen wird ein Beitrag zur Finanzsektorentwicklung sowie zur Refinanzierung von Unternehmen geleistet.

Die dabei gewonnenen Erfahrungen werden nunmehr mit reduzierten bilateralen Mitteln gezielt für die Unterstützung der Umsetzung der EU-Beitrittsstrategie und der Anpassung türkischer Strukturen an den gemeinschaftlichen Besitzstand der EU („Acquis communautaire“) genutzt.

Schweiz - Türkei

www.eda.admin.ch/eda/de/home/reps/eur/vtur/ref_bufor.html
 



    ausdrucken    per Email versenden    bearbeiten 08.05.2008
Besuche: 1180