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Anfänge bis zur Unabhängigkeit
Das seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. zum persischen Achaimenidenreich gehörende Afghanistan wurde um 330 v. Chr. von Alexander dem Großen erobert und nach dessen Tod ins Seleukidenreich eingegliedert. Das von den Saken begründete Kuschanreich erlag im 5. Jahrhundert n.Chr. dem Ansturm der Hephthaliten, die 567 vom Sassanidenkönig Chosrau I. geschlagen wurden. Die Eroberung durch die Araber begann im 7. Jahrhundert; Kabul und der Osten wurden erst im 10. Jahrhundert islamisiert, 977-1187 war Afghanistan Kern des Reiches der turkstämmigen Ghasnawiden, denen die kurzlebige Dynastie der (wahrscheinlich einheimischen) Ghuriden folgte. Im 13. Jahrhundert fielen die Mongolen in Afghanistan ein (im 14. Jahrhundert Eroberung durch Timur). Im 16. und 17. Jahrhundert war es zwischen Persien und dem indischen Mogulreich geteilt, bis Mitte des 18. Jahrhunderts Ahmed Schah Durrani (1747-73) ein mächtiges Emirat gründete. Im 19. Jahrhundert lag Afghanistan im Spannungsfeld Großbritannien-Russland. Nach den ersten beiden afghanisch-britischen Kriegen (1838-42 und 1878-80), in denen Großbritannien seine Vorherrschaft durchzusetzen versuchte, wurde Afghanistan zum Pufferstaat zwischen Russland und Britisch-Indien.
Das unabhängige Afghanistan
Nach dem 3. afghanisch-britischen Krieg (1919) erreichte Aman Ullah (1919-29, seit 1926 König) im Vertrag von Rawalpindi (1919) die staatliche Unabhängigkeit von Afghanistan. Seine forcierte Modernisierungs- und Reformpolitik nach westlich-europäischem Vorbild, die zu seinem Sturz führte, wurde durch Nadir Schah (1929-33, 1931 Einführung der konstitutionellen Monarchie) und – nach dessen Ermordung – durch Sahir Schah (1933-73, Neutralitätspolitik) behutsamer fortgesetzt.
Sowjetisierung
Durch den Militärputsch von 1973 wurde Afghanistan Republik. Nach ihrem Aufstand gegen den diktatorisch regierenden Staatspräsidenten M. Daud Khan (1973-78) übernahm die kommunistische Demokratische Volkspartei unter N. M. Taraki die Regierungsgewalt und lehnte Afghanistan eng an die UdSSR an; Machtkämpfe innerhalb der Partei, hartes Vorgehen gegen Oppositionelle und v. a. die Landreform von 1979 zogen einen landesweiten Widerstand gegen das Regime nach sich. Unter Berufung auf den Freundschaftsvertrag von 1978 ließ daraufhin die UdSSR unter weltweitem Protest im Dezember 1979 Truppen in Afghanistan einmarschieren. Sie setzte B. Karmal als Staats-, Regierungs- und Parteichef ein und versuchte, die politisch uneinheitliche muslimische Guerillabewegung (Mudjahedin), die von Pakistan aus operierte und v. a. von den USA mit Waffenlieferungen unterstützt wurde, in verlustreichen Kämpfen zu unterdrücken. 1986 wurde B. Karmal durch Nadschibullah abgelöst, der angesichts des Scheiterns der sowjetischen Invasion und der verheerenden Folgen des Krieges ( rund 1 Mio. Tote, 5 Mio. Flüchtlinge) eine Politik der »nationalen Aussöhnung« verkündete. Von Mai 1988 bis Februar 1989 zog die UdSSR, die selbst hohe Verluste (etwa 14 000 gefallene Soldaten) erlitten hatte, ihre Truppen vollständig aus Afghanistan ab. Die antikommunistischen Widerstandsorganisationen bildeten daraufhin im Februar 1989 eine Gegenregierung. Im Juni 1990 gab die kommunistische Regierungspartei ihr Machtmonopol auf (Umbenennung in Heimatlandpartei).
Die Islamisierung
Im Mai 1991 akzeptierte die Regierung einen Friedensplan der UN (Waffenstillstand, Übergangsregierung auf breiter Basis, Vorbereitung freier Wahlen). Bis zum Frühjahr 1992 brachten die Mudjahedin den größten Teil von Afghanistan militärisch unter ihre Kontrolle. Nach dem Sturz Nadschibullahs (April 1992) und der unblutigen Besetzung der Hauptstadt Kabul durch Truppen der muslimischen Rebellen übernahm ein von diesen gebildeter Übergangsrat die Macht. Im selben Jahr verbot die muslimische Führung die ehemalige Regierungspartei und leitete einen verstärkten Islamisierungsprozess ein (u. a. Einführung islamischer Gesetze). Die ausbrechenden Kämpfe zwischen rivalisierenden Mudjahedin-Gruppierungen (v. a. um die Kontrolle Kabuls) wurden trotz eines Vertrages über Gewaltverzicht (Ende April 1992) und eines Friedensabkommens (März 1993) nicht beendet. Darüber hinaus führte die Unterstützung der afghanischen Mudjahedin für den 1992 ausgebrochenen bewaffneten Kampf der islamischen Opposition in Tadschikistan zu einer Konfliktsituation in dem durch russische Truppen überwachten afghanisch-tadschikischen Grenzterritorium.
Die Herrschaft der Taliban
Die Milizen der seit 1994 von Pakistan aus in den Bürgerkrieg eingreifenden radikalislamischen Taliban eroberten in wenigen Jahren den Großteil des Landes und errichteten in ihrem Herrschaftsgebiet ein repressives Regime (Verfolgung der Schiiten, Entrechtung der Frauen, Behinderung der Arbeit von UN und Hilfsorganisationen). Mit der Einnahme von Kabul riefen die Taliban unter ihrem Führer Mullah Mohammed Omar am 27. 9. 1996 einen islamischen Staat aus. Bei ihrem Vormarsch nach Nordafghanistan stießen sie jedoch auf den heftigen Widerstand der »Vereinigten Front zur Rettung Afghanistans« (Allianz von Mudjahedin-Gruppierungen unter dem militärischen Oberkommando von Ahmed Schah Massud und der politischen Führung von Burhanuddin Rabbani). Der anhaltende Bürgerkrieg, in dem es immer wieder zu blutigen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung und zu neuen Flüchtlingsströmen kam, führte zu einer starken Zerstörung und wirtschaftlichen Lähmung Afghanistans, das zum weltgrößten Heroinproduzenten aufstieg und sich zu einem Transitland des Drogenschmuggels entwickelte. 2000 erließ der Talibanführer Mullah Mohammed Omar allerdings aus religiösen Gründen ein Verbot des Opiumanbaus. Das von den Taliban beherrschte Gebiet (seit Oktober 1997 von diesen als »Islamisches Emirat Afghanistan« bezeichnet) umfasste 2001 fast 95 % des afghanischen Territoriums; die Nordallianz kontrollierte nur noch eine sehr kleine Region. Von den UN vermittelte Gespräche für eine politische Lösung des Konflikts (u. a. in Aschchabad im März 1999) und Friedensverhandlungen unter Beteiligung der afghanischen Nachbarstaaten sowie Russlands und der USA (in Taschkent im Juli 1999) waren angesichts der immer wieder aufbrechenden Kämpfe zwischen den Kriegsparteien wirkungslos.
Konflikte mit Nachbarn und anderen Mächten
Starke Spannungen entwickelten sich zwischen den Taliban und Iran (ausgelöst durch die Tötung iranischer Diplomaten bei der Eroberung von Mazar-e-Sharif 1998) und zu den ursprünglich die Milizen unterstützenden USA (u. a. wegen der Weigerung der Taliban, den für die blutigen Anschläge auf amerikanische Botschaften in Kenia und Tansania 1998 verantwortlich gemachten saudi-arabischen Extremisten Osama bin Laden auszuweisen). Als destabilisierender Faktor für Afghanistan wie auch für die angrenzenden Länder erwies sich die in den Bürgerkriegswirren verstärkte Orientierung der einzelnen ethnischen Gruppen (Paschtunen, Usbeken, Tadschiken, Turkmenen u. a.) auf ihre angestammten, meist grenzüberschreitenden Siedlungsgebiete, die im Gefolge der Expansionspolitik Russlands und Großbritanniens im 19. Jh. und den damit einhergehenden Grenzfestlegungen zertrennt wurden (Aufteilung der Völker auf verschiedene Staaten). Die Unterstützung afghanischer Mudjahedin für den 1992 ausgebrochenen bewaffneten Kampf der islamischen Opposition in Tadschikistan führte zu einer Konfliktsituation im afghanisch-tadschikischen Grenzterritorium; die tadschikischen Rebellen nutzten Nordafghanistan (insbesondere die Prov. Badakhshan) immer wieder als Rückzugsgebiet und militärischen Operationsbasis für ihre Angriffe gegen die tadschikischen Regierungstruppen und die ihnen für die Grenzsicherung zur Seite stehende GUS-Friedenstruppe (vorwiegend russische Soldaten). Vor dem Bürgerkrieg in Tadschikistan flohen zeitweilig Tausende Menschen in das benachbarte Afghanistan. Aber auch in den Kaschmirkonflikt, den Kämpfen im Kaukasusgebiet und in anderen Krisen der Großregion waren aus Afghanistan kommende Söldner verwickelt. Daraufhin forderten im Dezember 2000 Russland und die USA über die seit 1999 von der UNO gegen Afghanistan verhängten Sanktionen hinausgehende Schritte, insbesondere ein umfassendes Waffenembargo, und riefen die UNO-Mitgliedsstaaten zum gemeinsamen Vorgehen gegen den »von Afghanistan aus gesteuerten weltweiten Terrorismus« auf. Die UNO setzte im Januar 2001 verschärfte Sanktionen gegen Afghanistan in Kraft. Trotz heftiger internationaler Proteste ließ die Talibanführung im März 2001 aus religiösen Gründen die berühmten buddhistischen Statuen von Bamian zerstören. Auf internationale Kritik stieß auch die diskriminierende Anordnung vom Mai 2001 an die Hindus in Afghanistan, künftig ein gelbes Erkennungszeichen tragen zu müssen. Auf die Weigerung der afghanischen Regierung, den von den USA als Urheber der Terroranschläge in New York und Washington am 11. September 2001 verdächtigten Osama bin Laden auszuliefern, antworteten die USA und Großbritannien seit dem 7. Oktober 2001 mit der Bombardierung von Zielen in Afghanistan.
Quelle: Brockhaus
weitere Infos :http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Afghanistans
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